Gebündelte Entwicklungskompetenzen für technologieoffene Defossilisierung
Das vom WTZ Roßlau geführte Verbundprojekt wird im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms über den Projektträger Forschungszentrum Jülich gefördert. Das Gesamtbudget beträgt 3,2 Millionen Euro, die Laufzeit reicht vom 1. Mai 2026 bis zum 31. Oktober 2029.
Der eingesetzte Motor nutzt Ammoniak als Hauptenergieträger. Ammoniak enthält selbst keinen Kohlenstoff und verursacht bei seiner Verbrennung daher keine direkten CO₂-Emissionen. Ammoniak kann aus erneuerbaren Energien weltweit dort produziert werden, wo Energie besonders günstig ist. Durch seine hohe Energiedichte und im Vergleich zu Wasserstoff einfache Speicherbarkeit eignet es sich gut als Transportmedium für grüne Energie.
Nichtsdestotrotz stellt der Energieträger jedoch hohe Anforderungen an Verbrennung, Abgasnachbehandlung, Speicherung und sichere Handhabung, was im Projekt unter praxisnahen Bedingungen untersucht werden soll.
Die Entwicklung des Motorsystems übernehmen MAN Engines und das WTZ Roßlau. Bei CLAAS in Harsewinkel wird daran gearbeitet, die Technologie in eine Landmaschine zu integrieren. So werden Motorenentwicklung und landtechnische Anwendung im Projekt gezielt zusammengeführt.
Das Projekt soll damit aufzeigen, welches Potenzial nachhaltige Kraftstoffe für leistungsintensive Landmaschinen haben kann – und dass auch der Verbrennungsmotor einen Beitrag zur Defossilisierung der Landwirtschaft leisten kann.
Landtechnik setzt auf Technologieoffenheit
CLAAS sieht in Ammoniakantrieben perspektivisch einen möglichen nachhaltigen Energieträger für Landmaschinen. „Leistungsfähige Maschinen, insbesondere im Volllastbereich eingesetzte Erntemaschinen und Großtraktoren, werden in naher Zukunft weiterhin auf energiedichte flüssige Kraftstoffe angewiesen sein“, erklärt Dr. Martin von Hoyningen-Huene, Executive Vice President BU Tractor. „Um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, lassen sich alternative Kraftstoffe wie HVO oder bei entsprechender Freigabe auch B100 Biodiesel mit weitestgehend bestehender Technik und Infrastruktur nutzen, während Wasserstoff größere technische Herausforderungen stellt. Wir möchten als möglichen weiteren Teil der Lösung die Chancen und Grenzen von Ammoniakantrieben erforschen und besser verstehen.“
Im unteren Leistungsbereich und für bestimmte, geeignete Anwendungen stehen schon heute für einen nachhaltigen Technologiemix lokal emissionsfreie, batterieelektrische Alternativen zur Verfügung – auch bei CLAAS. „Auf der Agritechnica 2025 haben wir den TORION 537e SINUS vorgestellt, der unser Produktportfolio ergänzt und im Materialumschlag mit Zwischenladen Reichweiten bis 16 Stunden erreichen kann“, so Hoyningen-Huene weiter. „Anwendungsfelder der leisen, lokal emissionsfreien Technik sind beispielsweise hofnahe Arbeiten – beispielsweise mit Blick auf den Aspekt Tierwohl im Stall - oder auch kommunale Arbeiten.“